Clinician Scientist Programme – Nachwuchs an forschenden Ärzten



Die klinische Forschung erbringt Innovationen für das Gesundheitssystem. Unabdingbar sind dafür forschende klinische Ärzte. Bisher fehlt es an flächendeckenden Strukturen, um dafür den notwendigen Nachwuchs zu fördern. Viele medizinische Fakultäten haben deshalb begonnen, entsprechende Strukturen aufzubauen. Mittelfristig braucht es dafür eine breite Förderung.



Herausforderungen

  • Es gibt in der Hochschulmedizin einen enormen Bedarf an forschenden klinisch tätigen Ärzten. Es fehlt für den wissenschaftlichen Nachwuchs bisher an den strukturierten Freiräumen für die eigene Forschung.
  • Die medizinischen Fakultäten haben, unterstützt durch weitere Förderer, Programme an ihren Standorten aufgelegt.
  • Um den zukünftigen Bedarf zu decken, benötigt es Förderungen in der Breite.

Bedarf an wissenschaftlichem Nachwuchs


Um den medizinischen Fortschritt am Laufen zu halten, benötigt es klinische Forschung. Hierbei werden wissenschaftliche Hypothesen im klinischen Alltag überprüft. Dies bildet die Grundlage, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse flächendeckend im Gesundheitssystem einzusetzen. Durch diese Verknüpfung von Wissenschaft und Klinikalltag gelangt klinische Fragestellung schneller in die Forschung.

Ein Großteil der klinischen Forschung in Deutschland findet in den Universitätskliniken statt. Durchgeführt wird sie von forschenden Ärzten der medizinischen Fakultäten. Diese Ärzte haben mehrere „Hüte auf“. Sie sind Ärzte, deren erste Priorität immer den Patienten gilt. Sie sind aber auch Wissenschaftler, die neue Erkenntnisse gewinnen wollen. Hinzu kommt ihre Position als Lehrende für ihre Medizin-Studierenden.

Bisher gibt es in Deutschland nur wenige strukturierte Programme, die auf die besondere Rolle als klinischer Arzt und Wissenschaftler vorbereitet. Gleichzeitig gibt es einen großen Bedarf an forschenden klinischen Ärzten in der Hochschulmedizin.

Der Weg zum forschenden Kliniker

Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses findet in der Hochschulmedizin in verschiedenen Abschnitten statt: Die wissenschaftlichen Grundlagen werden im Medizinstudium gelegt. Vorschläge für eine weitere Verbesserung haben die MFT-Mitglieder 2017 verabschiedet. Für die Studierenden mit einem starken wissenschaftlichen Interesse gibt es die Möglichkeit der Promotion. Idealerweise sollte dies in einem strukturierten Promotionskolleg durchgeführt werden. Hierzu hat der MFT 2016 ein Positionspapier verabschiedet. Während und nach der Facharztausbildung gibt es jedoch nur wenige Programme für Ärzte, die in der Wissenschaft bleiben und gleichzeitig in der Klinik arbeiten wollen. Bisher bedeutet das in vielen Fällen, dass diese Ärzte ihre Forschung in der Freizeit durchführen müssen. Dies ist weder sinnvoll noch wird es dem Thema gerecht.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wie auch der Wissenschaftsrat (WR) mit seiner Empfehlung zur Entwicklung der Hochschulmedizin von 2017 haben nachdrücklich Initiativen gefordert, die Medizinern die strukturelle Möglichkeit geben, während ihrer Facharztausbildung wissenschaftlich zu arbeiten.


Medizinische Fakultäten schreiten voran


Der Bedarf an Nachwuchs im Bereich forschender Kliniker wird aber auch an den medizinischen Fakultäten gesehen. An nahezu allen Standorten der Hochschulmedizin wurden mittlerweile so genannte Clinician Scientist-Programme eingerichtet.


Clinician Scientist: Impulsgeber und Innovationskraft


Clinician Scientist-Programme richten sich im Regelfall an Ärztinnen und Ärzte während ihrer Facharztausbildung, um Raum für klinische und grundlagenorientierte Forschung zu ermöglichen. Daneben erhalten sie eine vertiefende wissenschaftliche Fortbildung und sind Teil eines Netzwerkes.

Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sind die Clinician Scientists Garanten „für eine Verbindung von reiner Grundlagenforschung mit klinisch motivierter Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften. Dem wissenschaftlich qualifizierten ärztlichen Nachwuchs kommt somit eine Schlüsselrolle beim Erhalt der Innovationskraft der Universitätsmedizin und Impulsgeber in den Lebenswissenschaften insgesamt zu.“ [1]

Davon unterscheiden sich Advanced Clinician Scientist-Programme. Diese richten sich im Regelfall an Ärztinnen und Ärzte nach der Facharztausbildung, teilweise haben sie bereits Leitungsfunktionen.

[1] DFG (2015) S. 9: http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_im_profil/reden_stellungnahmen/2015/empfehlungen_clinician_scientists_0415.pdf


Was jetzt getan werden muss


Für die benötigte Anzahl an Clinician Scientist sind die bisher angebotenen Plätze zu gering. An den meisten Standorten werden die Programme aus dem laufenden Budget finanziert. Das erklärt, dass 2017 im Durchschnitt pro Standort nur jährlich 1-10 Plätze angeboten werden. Wobei Standorte mit einer externen Finanzierung zum Beispiel durch Stiftungen durchaus mehr Plätze anbieten. Es gibt einen Bedarf für eine flächendeckende Finanzierung. Ein Bundesprogramm könnte hier für Abhilfe sorgen.

Ein weiteres Problem ist, dass die in den Programmen erkämpften Forschungszeiten von vielen Landesärztekammern nicht in ausreichendem Maße als Weiterbildungszeit anerkannt werden. Die Facharztausbildung verlängert sich für die teilnehmenden Ärzte somit um mehrere Jahre. Vereinbarungen mit einzelnen LÄK zeigen aber, dass dieses Problem gelöst wird. Leider fehlt auf seiten einiger LÄK der Wille.


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