Satellitencampus-Konzepte zur universitären Ausbildung



Die Erhöhung der Anzahl staatlich finanzierter Studienplätze in der Humanmedizin erfolgte bislang über die Aufstockung bestehender Standorte sowie die Gründung neuer Fakultäten. Ein weiterer Weg wird an einzelnen Fakultäten nun durch die Gründung von sogenannten Satellitencampus beschritten. Dabei sind besondere Herausforderungen zu meistern, um die hohe Qualität der universitären Ausbildung in der Humanmedizin zu sichern.



Hintergrund

Die politische Motivation für die verschiedenen Initiativen und die beteiligten Akteure sind unterschiedlich. Unter anderem werden als Gründe angeführt:

  • Eine allgemeine Erhöhung von Studienplatzzahlen ist erforderlich
  • Milderung eines regionalen Ärztemangels durch eine Ausbildung vor Ort
  • Umwandlung von Teilstudienplätzen in Vollstudienplätze
  • Ausbau kleiner Universitäten zu Volluniversitäten
  • Stärkung des lokalen Wirtschaftsstandorts
  • Erhoffte finanzielle Besserstellung peripherer Häuser durch den Status Universitätsklinik

Gemeinsam ist allen Initiativen die Aufteilung des Medizinstudiums in zwei separate Studienabschnitte, von denen der erste an einer bestehenden medizinischen Fakultät und der zweite in größerer Entfernung in einem (oder mehreren) peripheren, bislang nicht-universitären Klinikum durchgeführt wird.


Herausforderungen


Der tatsächliche Bedarf an zusätzlichen Studienplätzen in der Humanmedizin in Deutschland ist umstritten und löst nicht die vielen strukturellen Defizite im Gesundheitssystem (s. Dossier zu den Studienplatzzahlen [LINK]). Will man dennoch die Zahl der Studienplätze über die Bildung von Satellitencampus erhöhen, so sind umfangreiche Aspekte zu berücksichtigen, um die hohe Qualität der medizinischen Ausbildung sicherzustellen. Dazu gehören unter anderem: Qualitätsgesicherte Berufungsverfahren; die Vorhaltung des gesamten für die Lehre erforderlichen fachlichen Spektrums; Governance-Strukturen, die Forschung und Lehre verfassungsgemäß berücksichtigen; didaktische Qualifikationen des Personals; adäquate Infrastrukturen für Lehre, Lernen und Prüfungen; Forschungskapazitäten und strukturierte Promotionsprogramme; Belange der Studierenden.

Messbare Effekte durch die Einrichtung von Satellitencampus werden sich frühestens nach einer Dekade zeigen. Der Aufbau einer neuer Struktur, die Dauer des Medizinstudiums sowie die daran anschließende ärztliche Weiterbildung hat zur Folge, dass erst nach 10-15 Jahren diese Ärzte in der Versorgung ankommen werden. Eine umfassendere Darstellung dieser Herausforderungen und wie sie zu adressieren sind, hat die Deutsche Hochschulmedizin in einer gemeinsamen Stellungnahme dargelegt [LINK].

Eine besondere Herausforderung stellt die Weiterentwicklung des Medizinstudiums dar, wie sie im Masterplan Medizinstudium 2020 abgebildet wird. Der Masterplan fordert eine enge Verzahnung von vorklinischen und klinischem Studienabschnitt bereits zu Beginn des Studiums. Dies wird bei räumlich weit getrennten Standorten organisatorisch nicht einfach umzusetzen sein.


Alternativen


Der Aufbau von Zweitstandorten kann zumindest kurzfristig nicht zum Schließen drohender ärztlicher Versorgungslücken außerhalb der Ballungszentren beitragen. Kurz- bis mittelfristig zielführender sind

i) Stärkung des ambulanten Sektors und der Allgemeinmedizin zum Beispiel durch universitäre Portalpraxen,

(ii) Implementation der digitalen Medizin und Telemedizin,

(iii) Stärkung der Interprofessionalität und Kooperation im Gesundheitswesen mit neuer Aufgaben- und Rollenverteilung u.a. durch die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe und die Ausbildung und Beschäftigung von Arztassistenten sowie durch

(iv) Netzwerke zwischen den Maximalversorgern und regionalen Krankenhäusern.

Diese Maßnahmen würden sowohl die regionale Krankenversorgung unmittelbar stärken, als auch neue, ambulante Lehrstrukturen für das Humanmedizinstudium außerhalb der etablierten Standorte der Universitätsmedizin bieten.



Fazit

Der Aufbau von Satellitencampus zur Erhöhung der Studienplatzzahlen ist anspruchsvoll und nicht geeignet, um im großen Umfang strukturelle Defizite des Gesundheitssystems zu kompensieren. Besteht im Einzelfall ein regionalspezifisch gut begründeter Bedarf für den Aufbau eines Zweitcampus, so sind umfangreiche Maßnahmen zur Qualitätssicherung der universitären Ausbildung notwendig. Eine sorgfältige Planung unter frühzeitiger Einbindung der medizinischen Fakultäten und ein finanziell gut abgesicherter Aufbau solcher Initiativen ist erforderlich.


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