Führungskräfte aus der Universitätsmedizin, Vertreter:innen der Gesundheits- und Wissenschaftspolitik, der Wirtschaft sowie Studierende kamen am 11. und 12. Juni in Dresden zum Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag (oMFT) zusammen. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung der Hochschulmedizin als Standortfaktor, der Umgang mit wissenschaftsfeindlichem Populismus, zivil-militärische Kooperationen in der Zeitenwende sowie die Erwartungen einer neuen Generation Medizinstudierender.
Den Auftakt bildete eine Diskussion über die Rolle der Hochschulmedizin in einer Zeit gesellschaftlicher, politischer und internationaler Veränderungen. Dabei wurde deutlich: Medizinische Fakultäten sind nicht allein Orte der Forschung und Lehre. Sie tragen auch Verantwortung dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftliche Debatten einzubringen und wissenschaftsbasiertes Handeln zu stärken.
„Die Hochschulmedizin trägt Verantwortung weit über ihre eigenen Institutionen hinaus“, betonte Prof. Dr. Martina Kadmon, Präsidentin des Medizinischen Fakultätentages (MFT). „Gerade in einer Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse unter Druck geraten und gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisiert geführt werden, müssen wir deutlich machen, wofür Wissenschaft steht: für überprüfbare Fakten, für offene Diskussionen und für die Bereitschaft, auch komplexe Fragen differenziert zu beantworten.“
Ein thematischer Schwerpunkt des oMFT lag auf der Bedeutung der Hochschulmedizin als Standortfaktor. Universitätsmedizinische Standorte verbinden Forschung, spezialisierte medizinische Expertise und die Entwicklung neuer Verfahren. Gerade bei hochkomplexen Aufgaben sind gut vernetzte Zentren unverzichtbar, die ihre Kompetenzen bündeln und in regionale Strukturen einbringen. Diskutiert wurde, welche Bedingungen notwendig sind, damit aus wissenschaftlichen Erkenntnissen schneller medizinische Innovationen entstehen: verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichende Finanzierung, der Mut zu neuen Strukturen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulmedizin und Industrie. Dazu gehören auch klare Ansprechpersonen, besser abgestimmte Prozesse und praktikable Lösungen für Datenschutz und Digitalisierung.
Großen Raum nahm die Frage ein, wie die Hochschulmedizin auf wissenschaftsfeindlichen Populismus reagieren kann. Wissenschaft lebt von kritischer Auseinandersetzung, nachvollziehbaren Methoden und der Bereitschaft, Erkenntnisse immer wieder zu überprüfen. Zugleich muss die Freiheit des Denkens aktiv verteidigt werden. Wo Wissenschaft pauschal diskreditiert oder ihre Unabhängigkeit infrage gestellt wird, sind Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam gefordert. Diskutiert wurde auch, wie wissenschaftliche Strukturen resilienter werden können. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten müsse sichtbarer werden, welchen Beitrag Wissenschaft zu Innovation, gesellschaftlichem Wohlstand und Demokratie leistet. Dafür brauche es einen engen Schulterschluss zwischen Wissenschaft und Politik.
Vor dem Hintergrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage wurde diskutiert, wie zivil-militärische Kooperationen in der Medizin künftig gestaltet werden können. Im Zentrum standen die Anforderungen, die sich aus der Zeitenwende für Forschung, Ausbildung und internationale Zusammenarbeit ergeben. Diskutiert wurde insbesondere, wie Ärzt:innen stärker auf Krisensituationen, Katastrophenlagen und außergewöhnliche Versorgungsszenarien vorbereitet werden können. Dazu gehört auch die Frage, welche Aufgaben Medizinstudierende im Krisenfall sinnvoll übernehmen können und welche Konsequenzen sich daraus für die Curricula ergeben.
Ein weiterer Schwerpunkt galt den Erwartungen, Werten und Perspektiven einer neuen Generation Medizinstudierender. Diskutiert wurde, welche Haltungen und Prioritäten die heutige Studierendengeneration mitbringt und wie diese bei der Weiterentwicklung von Studium und Lehre angemessen berücksichtigt werden können – im Einklang mit den fachlichen und professionellen Anforderungen an den ärztlichen Beruf. Zugleich wurde betont, dass eine gute Ausbildung Studierenden frühzeitig Verantwortung für den eigenen Lernprozess und ihre spätere ärztliche Rolle übergeben muss. Anlässlich der Übergabe der Urkunden des Master-of-Medical-Education-Studiengangs wurde zudem die Bedeutung einer kontinuierlichen Professionalisierung der medizinischen Lehre hervorgehoben.
Die Dekanin der gastgebenden Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden (TUD) und Präsidiumsmitglied des MFT, Prof. Dr. Dr. Esther Troost, erklärt: „Der oMFT hat in Dresden sehr deutlich gemacht, dass Hochschulmedizin weit über einzelne Standorte hinauswirkt. Gerade in einem eng vernetzten Wissenschaftsumfeld wie dem unseren zeigt sich, welches Potenzial entsteht, wenn Medizinische Fakultät, Universitätsklinikum, Universität sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und weitere Partner ihre Kompetenzen bündeln. Diese enge Zusammenarbeit ist eine wesentliche Voraussetzung, um medizinische Innovationen voranzutreiben und zugleich gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Umso mehr haben wir uns gefreut, die Jahrestagung der Medizinischen Fakultäten Deutschlands in diesem Jahr in Dresden auszurichten und gemeinsam zu diskutieren, wie sich wissenschaftliche Exzellenz, Innovation und gesellschaftlicher Auftrag miteinander verbinden lassen.“
Seit 1913 fungiert der oMFT als Forum für ergebnisorientierte Diskussionen im Bereich medizinische Forschung und Medizinstudium.
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