Der Medizinische Fakultätentag (MFT) warnt vor einer vorschnellen Ausweitung von Vorabquoten bei der Zulassung zum Medizinstudium. In einem aktuellen Positionspapier fordert er eine bundeseinheitliche wissenschaftliche Evaluation bestehender Sonderquoten wie der Landarztquote – und kritisiert die Einführung neuer Subquoten ohne belastbare Evidenz.
Statt neue Subquoten etwa nach dem Modell der Landarztquote (LAQ) einzuführen, fordert der MFT zunächst eine fundierte wissenschaftsgeleitete Evaluation bestehender Regelungen. Nur so könne eine evidenzbasierte Entscheidung über die Wirksamkeit solcher Steuerungsinstrumente getroffen werden.
Zunehmende Fragmentierung des Zulassungsverfahrens
Vorabquoten wie die Landarztquote werden derzeit in elf Bundesländern eingesetzt, um Bewerbende frühzeitig für eine Tätigkeit in unterversorgten Regionen zu gewinnen. Hierbei verpflichten sich die Studierenden bereits bei Studienbeginn zu einer späteren allgemeinmedizinischen Tätigkeit in ländlichen Gebieten. Der MFT kritisiert jedoch, dass mit der Einführung solcher Quoten eine zunehmende Zersplitterung des Zugangs zum Medizinstudium einhergeht.
„Immer kleinteiligere Vorabquoten mit spezifischen Auswahlverfahren erzeugen einen hohen administrativen Aufwand, ohne dass bislang belastbare Daten zur tatsächlichen Wirksamkeit vorliegen. Dies widerspricht dem Prinzip eines bundeseinheitlichen, standardisierten Zulassungsverfahrens und erschwert eine faire und transparente Studienplatzvergabe“, erklärt die Präsidentin des MFT, Prof. Dr. Martina Kadmon.
Evaluation statt Expansion
Der MFT sieht es als vordringlich an, die Wirkung bereits existierender Sonderquoten umfassend zu untersuchen, bevor neue eingeführt oder bestehende erweitert werden. Erste lokale Auswertungen deuten bereits auf deutliche Unterschiede im Studienverlauf und der Studienadhärenz zwischen verschiedenen Zulassungspfaden hin.
Eine systematische wissenschaftliche Evaluation müsse auf bundeseinheitlichen Parametern beruhen, so der MFT. Dazu gehören unter anderem der Studienerfolg, die Studiendauer, Abbruchquoten sowie die spätere berufliche Tätigkeit. Eine geeignete Infrastruktur für eine solche Untersuchung ist mit dem Studierendenauswahlverbund (stav) bereits vorhanden. Es bedarf jedoch einer gesetzlichen Grundlage zur Verknüpfung relevanter Daten.
Forderung nach gesetzlicher Grundlage zur Datennutzung
Der MFT unterstreicht die Notwendigkeit einer rechtlichen Grundlage, um Auswahl-, Studienverlaufs- und Berufsverbleibsdaten zusammenzuführen. Nur so lässt sich gewährleisten, dass die im Staatsvertrag geforderte Qualitätssicherung auch für Vorabquoten gilt. Eine solche Evaluation würde zugleich die Ziele der LAQ-Gesetze stützen und zur Sicherung der gesundheitlichen Versorgung beitragen.
Fazit: Keine neuen Vorabquoten ohne Evidenz
Angesichts der bestehenden Unsicherheiten spricht sich der MFT klar gegen die Einführung weiterer fachrichtungsspezifischer Vorabquoten zu Lasten bewährter Zugangswege aus. Ohne belastbare Evidenz über deren Wirksamkeit in der Versorgungsteuerung bestehe die Gefahr, dass gut gemeinte Maßnahmen ins Leere laufen und zusätzliche Belastungen im Zulassungsverfahren schaffen.
Weitere Informationen:
Über den MFT
Der Medizinische Fakultätentag ist der Dachverband der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Deutschlands. Sie verantworten in über 70 verschiedenen Studiengängen die Ausbildung von rund 130.000 Studierenden der Human- und Zahnmedizin sowie der Gesundheitswissenschaften. Gemeinsam mit dem Verband der Universitätsklinika (VUD) vertritt der MFT die Deutsche Hochschulmedizin.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Elfsight. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Jotform. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von reCAPTCHA. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen