Der Medizinische Fakultätentag (MFT) nimmt die aktuellen Diskussionen und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu sexueller Belästigung im Medizinstudium sehr ernst. Die Berichte betroffener Studierender machen deutlich: Medizinische Ausbildung braucht Lern- und Arbeitsumgebungen, die von Respekt, Professionalität und einem sicheren Miteinander geprägt sind.
Sexuelle Belästigung, Grenzverletzungen und jede Form missbräuchlichen Verhaltens sind mit dem Anspruch an eine verantwortungsvolle medizinische Ausbildung nicht vereinbar. Medizinische Fakultäten und Universitätsklinika tragen gemeinsam Verantwortung dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Schutz bieten, Orientierung geben und respektvolles Verhalten stärken.
Die vorliegenden Erkenntnisse zeigen zugleich, dass sexuelle Belästigung und Grenzüberschreitungen kein eindimensionales Problem sind. Sie können in unterschiedlichen Situationen und Beziehungen auftreten – im Kontakt mit Patientinnen und Patienten ebenso wie unter Studierenden, zwischen Kolleginnen und Kollegen oder in Lehr- und Abhängigkeitsverhältnissen. Umso wichtiger ist es, Prävention, Sensibilisierung und Schutzstrukturen breit anzulegen und frühzeitig in Ausbildung und Arbeitskultur zu verankern.
Medizinische Ausbildung vermittelt nicht allein fachliche Kompetenzen. Sie prägt auch professionelle Haltung, Verantwortungsbewusstsein und den Umgang miteinander. Der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Medizin (NKLM) verankert ausdrücklich zentrale Grundlagen ärztlichen Handelns. Dazu gehören die Orientierung an Menschenwürde und körperlicher Unversehrtheit, die Achtung von Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrechten, die Gestaltung professioneller Beziehungen zu Patientinnen und Patienten, Kolleginnen und Kollegen sowie Angehörigen anderer Gesundheitsberufe ebenso wie die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion – auch mit Blick auf Rollenbilder und professionelles Verhalten.
Viele medizinische Fakultäten haben bestehende Maßnahmen zur Prävention, Beratung und Sensibilisierung in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Zugleich bleibt es eine dauerhafte Aufgabe, Schutzstrukturen zu überprüfen, Erfahrungen auszutauschen und erfolgreiche Ansätze sichtbarer zu machen. Der MFT sieht hierin eine gemeinsame Verantwortung der Hochschulmedizin.
Der MFT setzt sich kontinuierlich mit Fragen professioneller Kultur, respektvollen Umgangs und geeigneter Schutzmechanismen auseinander. So wurde das Thema auch auf der Jahrestagung der Medizinischen Fakultäten 2025 in Freiburg im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion aufgegriffen.
Der MFT wird die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten und den Austausch innerhalb der medizinischen Fakultäten, der Hochschulmedizin sowie mit Studierendenvertretungen und weiteren Partnern fortführen. Ziel bleibt eine Ausbildungskultur, die medizinische Exzellenz mit Respekt, Verantwortung und professionellem Verhalten verbindet.
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